Inhalt: 1. Interview  / 2. Bericht

Das aktuelle Interview

(Foto: Szameitat) Die 4500 Toten liegen höchst wahrscheinlich noch in der Erde zwischen Arpke und Sievershausen, möglicherweise in der "Heldenkuhle". Wie steht die Denkmalpflege der Bezirksregierung zu den Mutmaßungen? Anzeiger-Mitarbeiterin Sabine Szameitat sprach mit dem Bezirksarchäologen Erhard Cosack.

In Unterlagen registrieren

Herr, Cosack, wird ihr Amt den Hin weisen nachgehen?

Natürlich, und wir werden sie auch in unseren Unterlagen registrieren.

Hat Ihre Behörde die Möglichkeit, im Bereich der "Heldenkuhlen" Untersuchungen anzustellen?

Eine Möglichkeit wäre die geophysikalische Prospektion. Bei einer solchen Untersuchung wird eine elektromagnetische Widerstandsmessung des Bodens durchgeführt. Dabei lassen sich unterschiedliche Verdichtungen erkennen, Massengräber könnten mit guten Erfolgsaussichten geortet werden. Die andere Möglichkeit wären archäologische Suchschnitte durchs Gelän de. Dazu müsste man den Mutterboden mit einem Bagger abtragen. Grabgruben würden sich dann als dunkle Verfärbung im gewachsenen Boden abzeichnen.

Werden Sie diese Untersuchungen anstellen?

Nein, die Sache brennt uns nicht auf den Nägeln. Wir werden im Prinzip nur dort tätig, wo archäologische Denkmale unmittelbar von Zerstörung bedroht sind. Unser Tätigkeitsfeld sind daher vorrangig Baustellen, und damit sind wir über die Maßen ausgelastet. Zum anderen ist zu bedenken, dass sich aus einer Aktion "Heldenkuhle" kaum weiterführende archäologisch-historische Erkenntnisse ergeben würden. Es ist nämlich nicht zu erwarten, dass man den Gefallenen irgendwelche Gegenstände gelassen hat, die Auskunft zur damaligen Lebenssituation geben könnten. Sofern regionales Interesse an der reinen Lokalisierung der Gräber besteht, könnte man es mit der geophysikalischen Prospektion versuchen.

Wer bezahlt das?

Mittel der Denkmalpflege, könnten wir dazu keinesfalls einsetzen, wohl aber den möglicherweise für ein solches Unternehmen vorhandenen Initiatoren beratend zur Seite stehen.

Was halten Sie vom Metalldetektor?

Solch eine Untersuchung muss immer von der Denkmalschutzbehörde Stadt Lehrte genehmigt werden. Man sollte bedenken: Solange die Sachen in der Erde liegen, passiert ihnen nichts. Aber wenn jemand auf die Suche geht, um Fundstücke später auf dem Flohmarkt zu verhökern, ist der Schaden für die Archäologie nicht wieder gutzumachen.

Arpke/Sievershausen / Flurname "Heldenkuhle" deutet auf Massengrab hin

Wo sind die 4500 Toten der Schlacht bei Sievershausen ?

Wenn in diesen Tagen der Schlacht von Sievershausen vor 450 Jahren gedacht wurde, blieb eine Frage immer ungeklärt: Wo sind die rund 4500 Toten geblieben, die die "Schlachtung" forderte? Der Immenser Landwirt und Hobby-Archäologe Irmfried Heineke glaubt, die Stelle gefunden zu haben, wo die Kriegsopfer ihre letzte Ruhestätte fanden.

"Der Ort ist auf dem Gemälde in der Sievershäuser Kirche und auf einer alten Karte von 1781 als "Heldenkuhle" bezeichnet", erklärt er. Heute befindet sich dort mitten in fruchtbaren Zuckerrüben und Getreidefeldern eine auffällig tiefliegende Wiese mit einem Beregnungsbrunnen.

Auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme liegt das Flurstück direkt an der alten Heerstraße zwischen Peine und Braunschweig, zwischen den Gemarkungen "Kreutzkamp", "Haputjen-(Hagebutten-)acker" und "Arpcker Lahe". Auf dem Gemälde in der Kirche, das 50 Jahre nach der Schlacht entstanden ist, findet sich ebenfalls ein Hinweis auf die "Heldenkuhle".

Für Irmfried Heineke ist der Platz logisch: "Die Söldner und der ganze Riesentross von Frauen, Kindern und Bekannten werden nach der Schlacht genug mit ihren Verwundeten zu tun gehabt haben, die Toten haben sie bestimmt nicht mit nach Hause genommen. Alles spricht für ein Massengrab", meint er. Die toten Soldaten seien in einen eiszeitlichen Söller, eine durch ein schmelzendes Gletscherstück entstandene Senke, geworfen worden und habe Erde darauf geschüttet.

Die Wiese, die dem Arpker Landwirt Kai Brandes gehört, ist trotz der langen Dürre dieses Sommers immer noch sichtlich feuchter als die Felder. "Die Feuchtigkeit im Boden könnte aber dazu geführt haben, dass sich hier noch Reste erhalten haben, die in dem porösen Untergrund ringsum schon lange vergangen sind", hofft Heineke. "Wasser ist auch ein Konservierungsmittel."

Kai Brandes kennt das Gelände nur unter der Bezeichnung Lahacker. Allerdings erinnert er sich an Erzählungen, dass einmal Ton darauf verteilt worden sein soll. Das könnte die Erklärung dafür sein, dass Sievershausens früherer Ortsbürgermeister Heinz Hesse und Artur Höhlich, früher Bauamtsleiter in Lehrte, im vorigen Jahr bei einer Untersuchung der Wiese immer wieder anderen Boden fanden. "Das ist kein, gewachsener Boden, sondern aufgeschüttet", meint Hesse.

Außer einem rostigen Nagel und einem Stacheldrahtende hat der Suchtrupp mit einem Metalldetektor auf der Wiese aber nichts gefunden. "Auf einer Karte aus der Zeit um 1700 ist dort allerdings eine Viehtränke verzeichnet. In einen Brunnen hätte man doch keine Toten hereingeworfen", gibt Hesse zu bedenken. Er hat einen anderen Platz im Blick: In der Nähe weiter nach Dollbergen zu sei ein zwei Meter hoher Buckel, wo nach Arpker Überlieferung immer wieder Bauern Säbel, Waffenteile und menschliche Knochen heraufgepflügt hätten.

(Foto: Szameitat)
Unter dieser Wiese zwischen Arpke und Sievershausen könnten nach Meinung von Irmfried Heineke die 4500 Toten aus der Schlacht von Sievershausen beerdigt sein. Oder wie ist der Flurname "Heldenkuhle" in die alte Landkarte gekommen?

- Beitrag von der Zeitung "Anzeiger für Burgdorf und Lehrte"  (26.07.2003/sz) -